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Integration ganz bunt

Seit einiger Zeit arbeitet ein Lehrerteam der Max-Eyth-Schule an dem Projekt „Flucht - damals und heute“. In der heutigen Zeit nichts Außergewöhnliches würde man sagen. Im Hinblick auf die Projektteilnehmer ist es das aber sehr wohl.

In diesem Projekt planen, bauen und gestalten Schülerinnen und Schüler einer InteA Flüchtlingsklasse im berufsvorbereitendem Unterricht (Holztechnik) eine Parkbank in Bezug auf ihre eigene Flucht sowie die Flucht und Vertreibung der Hugenotten und Waldenser vor gut 300 Jahren.

Zoom Die Klasse setzt sich zusammen aus unbegleiteten Jugendlichen aus Syrien, Eritrea, Afghanistan, Kosovo, Mali, Guinea, Äthiopien, Griechenland und dem Irak. Die Flüchtlinge lernen dabei neben den handwerklichen und künstlerischen Fertigkeiten, auch Hintergründe über die Stadt Neu-Isenburg, in der sich auch ihr Flüchtlingsheim befindet. Zu diesen Hintergründen gehört auch die Flucht und Vertreibung der Hugenotten vor ca. 300 Jahren aus Frankreich.

Das fertige Produkt wird bei einem Stadtfest in Neu-Isenburg (Hugenottenstadt) im Rahmen einer Ausstellung präsentiert und abschließend für einen wohltätigen Zweck versteigert. Das Projekt läuft in Kooperation mit dem Verein Hugenotten und Waldenserpfad e.V. aus Marburg, der zum Stadtfest in Neu-Isenburg einen Sternmarsch organisiert und auch Mitveranstalter des Stadtfestes ist.

Zu Beginn des Projektes bestand eine Anfrage des Vereins Hugenotten und Waldenser e.V. aus Marburg an die Innovative Produktionsschule IPS der Max-Eyth-Schule, ob es möglich sei, eine Parkbank für das Stadtfest in Neu-Isenburg herzustellen, die das Emblem des Vereines wiedergebe, um diese dann bei einer Auktion beim Stadtfest zu versteigern. Bei einem Treffen mit dem Vereinsvorstand des Hugenotten und Waldenserpfad e.V. in des Max-Eyth-Schule, entstand die Idee, die Bank von einer Integrationsklasse gestalten und anfertigen zu lassen, da diese ebenfalls ganz aktuell vom Thema Flucht unmittelbar persönlich betroffen sind und auch in Neu-Isenburg wohnen.

Zoom Der Metallrohling der Parkbank wurde von der IPS im Rahmen des Unterrichts Metallverarbeitung gefertigt und dem Projektteam zur weiteren Fertigstellung und Gestaltung zur Verfügung gestellt.

Die Schülerinnen und Schüler der Integrationsklasse InteA arbeiteten im Rahmen des Deutsch- und Landeskundeunterrichts an dem Thema Flucht der Hugenotten aus Frankreich vor 300 Jahren und lernten dabei sowohl geschichtliche Aspekte der Flucht der Hugenotten und der Ansiedlung der Hugenotten in Neu-Isenburg, in der auch sie wohnen, kennen. Darüber hinaus wurden geographische Fakten anhand von Kartenmaterial über die Flucht der Hugenotten behandelt.

Die Schülerinnen und Schüler einer 11. Klasse des Beruflichen Gymnasiums der Max-Eyth-Schule, die im Ethikunterricht Referate zum Thema „Die Hugenotten – Flucht und Vertreibung“ erarbeiteten, präsentierten diese in der Flüchtlingsklasse tauschten sich danach in einem gelenkten Unterrichtsdialog mit den Flüchtlingen über das Thema Flucht aus. All diese Ideen und Eindrücke verarbeiteten die Projektteilnehmer dann in der Gestaltung ihrer Parkbank.

„Im Zusammenhang mit den Flüchtlingen, die unser Land in der letzten Zeit aufgenommen hat, hört man leider ständig das Wort „Krise“ in den Medien. Diesen Sprachgebrauch halte ich für hochgradig falsch und sehr problematisch. Vielmehr sollten wir die Aufnahme der Flüchtling als Aufgabe und Herausforderung sehen, die es zu meistern gilt. Daher bin ich froh, durch diese Gelegenheit in einem außenwirksamen Projekt zeigen zu können, was für ein Potential in diesen jungen Menschen steckt und welche Chance für unser Land darin besteht, diese zum Großteil hochmotivierten jungen Menschen in unsere Gesellschaft einzubinden“, sagt David Distelmann, Lehrer der Max-Eyth-Schule, der das Projekt betreut.

„Der größte Gewinn für die Schülerinnen und Schüler dieser InteA Klasse liegt nach meiner Erfahrung darin, dass sie neben dem Spracherwerb vor allem die Möglichkeit haben, den Unterricht aktiv mitzugestalten und eigene Ideen einzubringen. Darüber hinaus sehen und erfahren die SuS neben der Berichterstattung mit brennenden Flüchtlingsheimen (auf eine Flüchtlingsunterkunft in Dreieich wurde mit einer scharfen Waffe geschossen) und pöbelnden Horden, dass sie hier in unserem Land willkommen sind und sich in die Gesellschaft integrieren können. Sie lernen Menschen kennen, die vielleicht selbst ihre Heimat verlassen mussten oder deren Familien vor 300 Jahren nach Deutschland eingewandert sind. Sie erfahren Wertschätzung in Form der Berichterstattung über dieses Projekt, dem Auftritt beim Stadtfest und in Form von Wettbewerben, was das Selbstbewusstsein und die Ich-Identität stärkt. Besonders junge Menschen aus anderen Kulturen brauchen bei der Integration Erfolgserlebnisse in der Mitte der Gesellschaft, um sich nicht isoliert zu fühlen“, so Distelmann.

Das Projektteam hat das Projekt „Flucht – damals und heute“ beim Wettbewerb „Deutscher Lehrerpreis – Unterricht innovativ“ in der Kategorie „Innovative Unterrichtskonzepte“ eingereicht. Dieser Wettbewerb hat es sich zum Ziel gesetzt, die öffentliche Wertschätzung des Lehrerberufs zu steigern. Der "Deutsche Lehrerpreis - Unterricht innovativ" ist eine gemeinsame Initiative der Vodafone Stiftung Deutschland und des Deutschen Philologenverbands (DPhV).

Unabhängig vom Ausgang des Wettbewerbs ist das Projekt mit Sicherheit ein großer Beitrag für gegenseitiges Verständnis und die Integration von Flüchtlingen in der Region.

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