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Schulgeschichte

1877 - das offizielle Geburtsjahr unserer Schule
Kleiner Aufriss der Entwicklung des beruflichen Schulwesens im Westkreis Offenbach
Von der "Fortbildungsschule" zur Kreisberufsschule

Zusammengefasst von Wolf Dieter Gäbert

Eine umfassende Schulchronik lässt sich bedauerlicherweise nicht schreiben, weil die Archivalien von den Anfängen und der weiteren Entwicklung der Schule zu den Kriegsverlusten des Jahres 1944 zählen, dem auch alle Schulunterlagen des Kreises Offenbach zum Opfer fielen.

Etwas Licht in das Dunkel der "Kinderjahre" unserer Schule brachte eine Sichtung der Unterlagen des Stadtarchivs in Neu-Isenburg sowie des "Neu Isenburger Anzeigenblattes", das im Archiv der Neuen Presse verwahrt wird.

Bekanntmachung 3. November 1877ZoomBekanntmachung 3. November 1877 Das älteste Dokument der Schule ist die Bekanntmachung des Schulvorstandes im Neu-Isenburger Anzeigenblatt. Auf der Basis eines Gesetzes aus dem Jahre 1820, verfügte die Großherzogliche Kreisschulkommission am 3. November 1877, dass alle "jungen Leute der Entlassungsjahrgänge 1875, 1876, 1877" die Fortbildungsschule in Neu-Isenburg zu besuchen haben. Gemeint waren mit "den jungen Leuten" selbstverständlich nur die männliche Jugend, für die eine 3-jährige "Fortbildungsschule" im Anschluss an ihre Volksschulzeit verpflichtend war. Schon damals musste auf den "fleißigen Besuch" und ein "anständiges Betragen" hingewiesen werden. Die Schule fand ausschließlich abends statt und das bei einer täglichen Arbeitszeit von ca. 10 Stunden. Unterrichtet wurden Schüler von nebenamtlichen Lehrkräften, die oftmals nicht das rechte Verhältnis zu den Berufen der Lehrlinge aufbrachten.

Über die nachfolgenden Jahrzehnte hinweg entwickelte sich Deutschland immer stärker zur Industrienation, neue technische Berufe entstanden in Industriebetrieben, Handwerksberufe veränderten ebenfalls ihr Gesicht. Die Notwendigkeit einer qualifizierteren Ausbildung wurde immer offensichtlicher. Erst 1921 reagierte der Staat mit einem neuen Schulgesetz, das der zunächst "allgemeinen Fortbildungsschule", später "Berufsschule" genannten Institution einen wesentlich höheren Stellenwert verschaffte. Die Schüler gingen jetzt tagsüber in die Schule, sollten, wie an den anderen Tagen auch, entlohnt werden und die "jungen Leute" umfasste endlich auch die weibliche Jugend. Man kann sich vorstellen, dass es viele Widerstände zu überwinden galt. "Schulversäumnisse aus dringenden betrieblichen Gründen" waren zunächst an der Tagesordnung. Aber auch interne Probleme existierten, da plötzlich viel mehr und höher qualifizierte Lehrer benötigt wurden.

Das Schulgebäude um 1930ZoomDas Schulgebäude um 1930 Nach Ostern 1922 begann in unserer Schule der regelmäßige Unterricht in der "Allgemeine Fortbildungsschule" mit 260 Schülerinnen und Schülern. Karl Schlechtweg wurde der erste Schulleiter und unterrichtete bis 1932. Ihm ist es zu verdanken, dass die Berufsschule sich gegen die Widerstände im Westkreis Offenbach etablieren und ab 1932 ein eigenes Gebäude (frühere "Rosenau-Schule", Frankfurter Str. 152) beziehen konnte.

Lehrlinge vom Bäckerhandwerk, Fleischer, Frisöre, Schneiderinnen, Stickerinnen, Wäscherinnen bis zum Zahntechniker wurden unterrichtet. Besonders die Zahntechniker trugen den Ruf der Schule weit über die Grenzen Neu-Isenburgs und der angrenzenden Gemeinden hinaus. Unsere Schule entwickelte sich seit 1922 so prächtig, dass sie am 26. Januar 1943 zur voll ausgebauten Berufsschule erklärt wurde.

Die Einflüsse des nationalsozialistischen Staates hatte auch für unsere Schule ihre Schattenseiten. Ein Zitat aus der Chronik eines Kollegen,Friedrich Hüther, aus dem Jahre 1956 soll die Situation verdeutlichen.

"Die politischen und ideologischen Umwälzungen von 1933 mit ihrem Totalitätsanspruch konnten nicht ohne Einfluss auf die Berufsschulen bleiben. Zwar blieb der Schulleiter im Amt und insofern war wenigstens in der Leitung der Schule ein gewisses Moment der Stetigkeit gewahrt. Jedoch mussten aus dem Kollegium der Diplomhandelslehrer Hugo Heym und die Gewerbelehrerin Hedwig Jacobi ausscheiden. Der Grund des Ausscheidens kam damals vielen Schülern überraschend, die beiden Lehrkräfte waren Juden. Niemand konnte etwas an ihrer Schularbeit aussetzen, ... Jetzt aber mussten aus dem kleinen Lehrkörper zwei unbescholtene Kollegen ausscheiden, weil in der Politik die Ideologie die Sachlichkeit abgelöst hatte."

Der 2. Weltkrieg dünnte die Schule sehr aus. Wehrpflicht und Kriegsdienst lichteten die Reihen der Schüler und Lehrkräfte. Im März 1945 wurde die Schule geschlossen.

1946 wurde die Schule wieder geöffnet. Bereits zwei Jahre später wurden mehr als 800 Schülerinnen und Schüler in 35 Klassen von 16 Lehrkräften unterrichtet. In den folgenden Jahren erfuhr die Schule eine starke Umstrukturierung: bestimmte handwerkliche Berufe wurden aus Platzgründen in andere Schulen verlagert, kaufmännische und gewerbliche Berufe (Dreher, Fräser, Maschinenschlosser) kamen neu hinzu, andere verschwanden (Schuhmacher, Schneider, Wagner). Die Frage, welcher Beruf birgt die besten Zukunftsaussichten, wurde auch zu diesem Zeitpunkt gestellt.

Herr Göbes, einer der Schulleiter der MESZoomHerr Göbes, einer der Schulleiter der MES Hauswirtschaftlicher UnterrichtZoomHauswirtschaftlicher Unterricht

 

 

 

 

 

 

 

Das Schulgebäude 1967ZoomDas Schulgebäude 1967 Die Schule, seit 1932 in dem Gebäude in Neu Isenburg, platzte aus allen Nähten. Immer dringlicher wurde die Forderung nach einem Neubau gestellt. Die Frage der Offenbach Post vom 29. Oktober 1959 "Wann kommt der Neubau für die Kreisberufsschule West?" wird am 23. März 1961 in gleicher Zeitung beantwortet "Kreistag beschließt Millionenausgabe für Schulen". Am 16. November 1963 ist im Titel zu lesen "Spatenstich für Kreisberufschule West". Die Kreisberufschule Offenbach-West wird am 09. März 1965 in "Max-Eyth-Schule" umgetauft. Der 17. Oktober 1967 ist Tag der Eröffnung der neuen Gebäude der Max-Eyth-Schule im Norden Sprendlingens. Baukosten damals 7 Mio DM.

Von Mitte der 70er bis Mitte der 90er Jahre hatte die Max-Eyth-Schule eine stürmische Entwicklungsphase. Die zweite Hälfte der 70er Jahre war durch starkes Wachstum der Schüler- und Lehrerzahlen und erweiterte Angebote im Vollzeitbereich der Max-Eyth-Schule geprägt.

Im Schuljahr 74/75 wurde das Berufliche Gymnasium, Fachrichtung Wirtschaft eingerichtet. Diese neue Schulform und ihre Schülerinnen und Schüler haben das Bild und die Entwicklung der Max-Eyth-Schule in den folgenden Jahren stark geprägt. 1977/78 kamen die Berufsfachschule für medizinisch-technische und krankenpflegerische Berufe und das Berufsvorbereitungsjahr hinzu und 1978/79 die einjährige Berufsfachschule Wirtschaft – bekannter unter dem alten Namen Höhere Handelsschule.

Die Schülerzahl stieg von etwa 1200 im Jahre 1975 bis auf fast 1600 im Jahr 1982 mit einem wesentlich höheren Anteil an Vollzeitschülern. Ende der 80er Jahre waren es dann mehr als 1800 Schüler. Daraus ergaben sich ganz erhebliche Raum- und Ausstattungsprobleme, die dringend gelöst werden mussten. Am wichtigsten für die Entwicklung der Schule war damals die Fertigstellung des Erweiterungsbaus mit Klassenräumen und Fachräumen für Naturwissenschaften, Frisöre und Hauswirtschaft im Spätsommer 1982. Nach heftigen Widerständen ist es dann schließlich gelungen, 1982/83 mit der Ausbildung von Arzthelferinnen und 1983/84 mit der Ausbildung von Kfz-Mechanikern zu beginnen. 1985/86 wurde das berufliche Gymnasium um die Fachrichtung Technik (Maschinenbau) erweitert und in einer zweijährigen Berufsfachschule sehr erfolgreich mit der Ausbildung von Fremdsprachensekretärinnen begonnen.

1984/85 folgte dann der Neubau der Kfz-Werkstatt und im Sommer 1987 zur großen Freude der Schulgemeinde der Neubau und die Einweihung der Großsporthalle (3 Felder). Anfang der 90er Jahre wurde dann noch die alte Pausenhalle erheblich erweitert und mit Schülerbücherei und Kiosk neu gestaltet – beides ein großer Gewinn für den Schulbetrieb.

1995 wurde der Förderverein der Max-Eyth-Schule, heutzutage unverzichtbarer Bestandteil der Arbeit der Max-Eyth-Schule, gegründet. Aus diesem Zusammenhang heraus war es möglich 1996 die Produktionsschule an der MES entstehen zu lassen.

Abriss der alten GebäudeZoomAbriss der alten Gebäude Mit der Entwicklung der Schullandschaft zur Jahrtausendwende begann eine nächste Phase der Erweiterung - die Beantragung der Schulform Fachoberschule (FOS). Im Jahr 2003 war es so weit, die Fachoberschule mit den Schwerpunkten Wirtschaft, Maschinenbau und Informationstechnik konnte starten. Im Beruflichen Gymnasium kam 2006 der Schwerpunkt Biotechnologie und an der FOS 2008 der Schwerpunkt Gesundheit hinzu. Inzwischen werden allein 350 Schülerinnen und Schüler in der Fachoberschule unterrichtet. Parallel dazu beteiligte sich die Max-Eyth-Schule seit 2005 als eine von 17 hessischen Berufsschulen am Prozess Selbstverantwortung Plus (SV+). Ebenfalls gegen Ende des Jahres 2005 begannen die konkreten Überlegungen auf dem Gelände der Max-Eyth-Schule und des angrenzenden Sportplatzes ein Haus des lebenslangen Lernens zu bauen. Die Ideen ein großes Bildungszentrum im Norden Sprendlingens zu errichten wurden schnell umgesetzt. Unsere Schule erlebte von 2007 bis 2009 eine heiße Phase des Neubaus und der Sanierung. 2008 konnte die Schule den Neubau beziehen, die alten Gebäudeteile wurden dann Kernsaniert. Im Februar 2009 konnte die Eröffnung groß gefeiert werden.

Das Campus-Gelände nach der FertigstellungZoomDas Campus-Gelände nach der Fertigstellung Jetzt ist die Max-Eyth-Schule neben der Schule für Erwachsene und der Kreisvolkshochschule eine der drei Starteinrichtungen im Haus des Lebenslangen Lernens-Campus Dreieich. Viele Generationen erwarben ihre Schulabschlüsse bis hin zur allgemeinen Hochschulreife an der Max-Eyth-Schule, wir qualifizieren seit jahrzehnten junge Menschen in den Bereichen Wirtschaft, Technik, Medizin, Ernährung, Hauswirtschaft und Körperpflege für ihre berufliche Zukunft. Als berufliches Bildungszentrum wird die Max-Eyth-Schule in Zusammenarbeit mit den beiden anderen Starteinrichtungen unter der Marke Hessencampus die schulische Erstausbildung, die berufliche Ausbildung und Weiterbildung in der Region maßgeblich prägen.
 

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