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Max Eyth

Wer ist eigentlich der nette Opa mit dem Bart?
Zusammengefasst von Wolf Dieter Gäbert

Max EythZoomMax Eyth

 


  

 

 

 

 

 

 

Nein, es ist nicht Karl Marx, sie lebten zwar im gleichen Jahrhundert, aber hier haben wir Max Eyth vor uns, der auf seine Weise erhebliche Verdienste für das industrielle Fortschreiten Deutschlands verbuchen konnte. Sein Name ist weniger bekannt als das, was er geschaffen hat. Oder wer weiß nicht die DLG-prämierte Wurst oder den DLG-prämierten Wein zu schätzen, „Gutes aus Deutschen Landen“, Max Eyth war es, der die „Deutsche Landwirtschaftliche Gesellschaft“ am 15. September 1885 gegründet hat.

Max Eyth, der entgegen der familiären Tradition - sein Vater war Lateinlehrer an einem evangelischen Seminar - nach der Schule ans Polytechnikum in Stuttgart wechselte, wollte Maschinenbauer werden. Die Technik faszinierte ihn, er wurde in die Zeit der Dampfkraft hineingeboren. Es war erst ein Jahr vor seiner Geburt, dass „eine Dampflokomotive die erste Eisenbahn in Deutschland von Nürnberg nach Fürth zog“. 1856 legte Max Eyth das Examen ab und seine ersten, nicht nur positiven Erfahrungen (13 Std. tägl. Arbeitszeit) mit dem Arbeitsleben begannen in Heilbronn, seine dichterische Begabung kommentierte die Arbeit dort in einem Vierzeiler:

„Hart ist das Eisen
härter der Stahl,
am härtesten die Stunden
gar manches Mal."

Fünf Jahre später, jetzt 25-jährig, zog es ihn in die Welt hinaus. Nach längerer Wanderschaft durch die verschiedenen Industriestandorte Deutschlands fand er in England, dem Mutterland der modernen Industrie, Arbeit bei einem jungen Unternehmer namens John Fowler. Ihre erste Begegnung fand auf einem Stoppelfeld statt, Eyth beschrieb sie folgendermaßen:

„Ich fand ihn in einem Stoppelfeld vor einem zerbrochenen Gerät von rätselhaftem Aussehen, voll Mut und Feuereifer. Das Stoppelfeld gefiel mir nicht, aber der Mann und das Gerät.“

Das Gerät war ein Dampfpflug, Max Eyth konnte nicht ahnen, dass ihn dieses Gerät die nächsten Jahrzehnte intensiv beschäftigen würde. Er arbeitete vorwiegend als Konstrukteur, hatte aber auch das handwerkliche Talent, auftretende Mängel sofort zu beheben. Der von ihm geplante Stand der Firma Fowler zur Weltausstellung in London 1862 war ein voller Erfolg, zu Tausenden besichtigten sie die Technik der Zukunft – den Damfpflug. Eyth wurde daraufhin für mehrere Jahre nach Ägypten beordert, um dort die Firma zu vertreten. Es gelang ihm, Ägypten zum Hauptabnehmer von Fowler-Dampfpflügen zu machen. Neben seinem unermütlichen Arbeitseinsatz war es wohl auch seine Menschenkenntnis, die zu diesem Erfolg führten. Anlässlich eines „Wettpflügens“ mit dem britischen Konkurrenten Howard im Nildelta setzte er (im Gegensatz zur Konkurrenz) darauf, die Ägypter selbst die Maschinen bedienen zu lassen. Auf welcher Seite die Zuschauer und möglichen Käufer bei diesem Wettkampf standen, war klar. Eyths Kommentar:

„Meine Araber, durch ein Backschisch fanatisiert, stürzten wacker in den Kampf und die alten Maschinen rasselten wie besessen.“

Nachdem aber die politische Ära des ägyptischen Auftraggebers Halim Pascha beendet wurde, waren die Tage für Max Eyth in Ägypten auch gezählt. Er musste 1866 zurück nach England und sollte dann den amerikanischen Markt für Fowler erschließen, um die Ausfälle im nahen Osten wettzumachen.

Amerika sollte kein echter Durchbruch für Max Eyth und Fowler werden, obwohl er Maschinen umkonstruierte, um sie den dortigen Gegebenheiten anzupassen. Einfuhrbeschränkungen und andere protektionistische Maßnahmen machten Amerika für ihn nicht zum Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

1867 in Europa zurück, widmete sich Eyth der Tauerei-Schifffahrt (Schiffe ziehen sich an den in Flüssen verlegten Tauen ihrem Zielhafen entgegen, früher besorgten das Pferde). Ein eigenes Patent ermöglichte ihm einige Erfolge auf diesem Gebiet, viele nach seinem Patent gebauten „Tauer“ befuhren den Rhein zwischen Bingen und der holländischen Grenze.

Die Arbeitsbelastung musste eine Entscheidung zwischen Schifffahrt und Dampfpflug bringen. Eyth entschied sich für den Dampfpflug und setzte sich für seine Verbreitung in Deutschland und Europa ein. Er wollte den Landsleuten die Nase in die „Geschichte“ mit dem Dampfpflug stoßen. Er meinte, nachdem die halbe Welt ihre landwirtschaftlichen Flächen mit Dampfkraft beackere, sollte dies in Deutschland endlich auch möglich sein.

Weitere „Missionsgebiete“ Eyths waren Westindien, die Ukraine, Russland, Südamerika, die er als „Botschafter des Dampfpfluges“ bereiste. Teilweise waren es die Transportwege, die es unmöglich erscheinen ließen, die schweren Geräte in die entferntesten Winkel der Erde zu schaffen, er ließ sich nicht entmutigen, der Ärger verblasste und sein Herz schlug höher, wenn er

„das klingende Rasseln der Stahlräder, das emsige Keuchen der Maschinen, die kurzen eifrigen Signalpfiffe, die anzeigten, dass eine der Lokomotiven vorrückte und wieder ein Streifen der Erde, die noch nie das Licht des Tages erblickt hatte, in den Dienst der Menschheit getreten war.“

Nach 20 Jahren Arbeitstätigkeit in Sachen Dampfmaschine musste Max Eyth folgenden Satz konstatieren:

„Zum ersten Male wurde mir heute etwas bange. Was sollte ich treiben? Was sollte an die Stelle dieses Lebens voller Bewegung treten, wenn alles, was mir zu langjähriger Gewohnheit geworden war, mit einem Schlage stillstand?“

Er hatte sich von Fowler getrennt – das Geschäftsleben war anonymer geworden, der alte Fowler gestorben und für die Nachfolger war Eyth nur noch ein verdienter Alter.
Max Eyth war kein „Alter“, mit 46 Jahren hatte er noch ein gewaltiges Stück Schaffenskraft in sich, er beschloss in Anlehnung an die „Royal Agricultural Society“ eine vergleichbare deutsche landwirtschaftliche Gesellschaft zu schaffen. Seinen Abschied von England kommentierte er in dieser Weise:

„Es ist wohl richtiger, mit der Vergangenheit gründlich zu brechen, als sich eine Zeitlang mit Halbheiten herumzuschlagen, die zu keinem vernünftigen Ziele führen können.“

In Anbetracht der Tatsache, dass es in Deutschland 1882 nicht weniger als 1650 landwirtschaftliche Vereine gab, war das Ziel, eine „Deutsche Landwirtschaftliche Gesellschaft“ ins Leben zu rufen, ein hohes. 1885 war es erreicht, am 15. September wurde diese bis heute tätige Gesellschaft mit bis dato 2500 Mitgliedern gegründet. Max Eyth verstand es, die Sprache der Bauern zu finden:

„Aus der Pflugfurche muss die DLG wachsen, nicht vom Katheder herunter.“

Es gelang ihm, sie von der Sinnhaftigkeit der DLG trotz hoher eingeforderter Grundsätze zu überzeugen:

„Parteilosigkeit, hohe Beiträge, Bekenntnis zur Tat, Absage an das endlose Debattieren, Verzicht auf ‚Vereinsblättchen’, Propagierung der Selbsthilfe.“

Informationsausstellungen über die Modernisierungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft, Entwicklungen in der produktiven Bearbeitung der landwirtschaftlichen Flächen und der Tieraufzucht waren und sind wichtige Aufgaben dieser Gesellschaft. Max Eyth begleitete das Amt bis 1896, im Alter von 60 Jahren trat er mit Worten, die seiner inneren Überzeugung entsprachen, ab:

„Wir brauchen frisches Blut. Eine Hauptaufgabe eines tätigen Vereins ist, jung zu bleiben.“

Seine letzten zehn Lebensjahre verbrachte Max Eyth nicht untätig, er widmete sich verstärkt dem Schreiben und Zeichnen. Viele Publikationen stammen aus dieser Zeit, einige sollen hier genannt werden:

„Hinter Pflug und Schraubstock“, „Im Strom unserer Zeit“, „Der Schneider von Ulm“, „Poesie und Technik“

Seine Philosophie war durchaus von der Vorstellung beseelt, dass der Mensch Herr über Maschinen und Materie sein und bleiben müsse.

Max Eyth starb im Alter von 70 Jahren am 25. August 1906 in Ulm.

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